Das Jahr 2015 markierte für Europa einen vorläufigen Höhepunkt einer bereits seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stattfindenden Massenmigration aus den armen Ländern des globalen Südens in die wohlhabenden Länder der westlichen Welt. Auf der Suche nach einem vermeintlich besseren Leben strömten 2015 über eine Million Menschen nach Europa, bevorzugt in Länder mit hohen Sozialleistungen und hoher Aufnahmebereitschaft.
Die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 wurde von multiplen Faktoren ausgelöst. Im Nahen Osten wütete das Terrorregime des islamischen Staates, der im syrischen Bürgerkrieg eine der vielen Konfliktparteien im Kampf um die Macht gegen das Regime des syrischen Machthabers Assad1 stellte. Eine andere Konfliktregion fand sich im zentralasiatische Raum, wo die als besiegt vermuteten Taliban2 den von westlichen Ländern unter Führung der USA unterstützten afghanischen Staat abermals militärisch herausforderten. Mit all den anderen weltweiten Konflikten schätzte die UNO Flüchtlingshilfe die Zahl der „displaced persons“ für das Jahr 2015 auf etwa 75 Millionen Menschen weltweit.
Für viele Menschen endete 2015 die Flucht aus einer Konfliktregion nicht in den sicheren Ländern der unmittelbaren Nachbarschaft, es entwickelte sich eine Migrationsbewegung, welche tausende Kilometer entfernt in wenigen Ländern Mittel-, Nord- und Westeuropas endete. Die Aussage der deutschen Kanzlerin Angela Merkel „Wir schaffen das" wurde von Massenmedien und sozialen Netzwerken in die Welt getragen. Neben Flüchtlingen nahmen zahlreiche andere Menschen aus dem globalen Süden die als Einladung verstandene Botschaft an, um unter dem Deckmantel von Asyl ihre Lebensverhältnisse zu verbessern.
10 Jahre nach den Ereignissen des Jahres 2015 zeigt diese Fotoserie Eindrücke von der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 aus Budapest, Nickelsdorf (Grenze Österreich-Ungarn), Wien und Spielfeld (Grenze Österreich-Slowenien). Der Begriff Flüchtlingskrise wird gewählt, da die Ereignisse in der Berichterstattung und der allgemeinen Erinnerung unter diesem Begriff bekannt geworden sind. Anstatt des Begriffs Flüchtling wird jedoch der zutreffendere Begriff Migrant verwendet.
1 Das Regime von Präsident Baschar al-Assad fiel schlußendlich im Dezember 2024.
2 Letztendlich erlangten die Taliban im August 2021 wieder die Kontrolle über Afghanistan. Die westlichen Truppen unter Führung der USA zogen überhastet ab. Afghanistan blieb seinem Ruf als "Friedhof der Großmächte" treu.
Budapest, Anfang September 2015: Ab Mitte 2015 kamen täglich hunderte Migranten über den Balkan in der ungarischen Hauptstadt Budapest an -alleine im August mehr als 50 0000-, um nach Westeuropa weiter zu reisen. Die Weiterreise wurde jedoch unter der Regierung Orban Anfang September erschwert, die Zugverbindungen nach Westeuropa wurden eingestellt. Dies sollte Migranten davon abhalten weiter nach Ungarn einzureisen. Daraufhin verwandelte sich der Bahnhof Keleti Anfang September in ein großes Lager, wo tausende Migranten festsaßen und auf ihre Weiterreise warteten.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Migranten am Platz vor dem Bahnhof Keleti.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Migranten laden ihre Mobiltelefone. Mobiltelefone waren nicht nur ein unverzichtbares Werkzeug für Kommunikation, Bezahlung und Informationsaustausch. Über soziale Medien wurden auch Hoffnungen, Träume und oftmals falsche Versprechungen verbreitet, was mit ein Grund für die Kanalisierung und Konzentration der Migrationsbewegung zu ausgewählten Zielorten war.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Ungarische Polizisten vor dem Bahnhof Keleti.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Das Medieninteresse während der Flüchtlingskrise 2015 war enorm, zahlreiche Fernsehsender berichteten für die Hauptnachrichten direkt vom Bahnhof Keleti.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Migranten bei behelfsmäßig eingerichteten Wasserhähnen.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Gänge und Hallen des Bahnhofkomplexes verwandelten sich nachts in riesige Schlaflager.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Gänge und Hallen des Bahnhofkomplexes verwandelten sich nachts in riesige Schlaflager.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Graffitis symbolisieren die Lebensgeschichten und Hoffnungen von Migranten.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Passanten betrachten frühmorgens die Zustände am Bahnhof.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: In der Hoffnung, nach Westeuropa zu gelangen, versuchen Migranten einen überfüllten Zug zu besteigen.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: In der Hoffnung, nach Westeuropa zu gelangen, versuchen Migranten einen überfüllten Zug zu besteigen.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: In der Hoffnung, nach Westeuropa zu gelangen, versuchen Migranten einen überfüllten Zug zu besteigen.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Ein Kamerateam berichtet aus dem Bahnhofsgebäude.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Die hohe Zahl an Migranten brachten im Spätsommer/ Herbst 2025 zahlreiche öffentliche Verkehrssysteme an den Rand der Kapazitäten. In Budapest wurden alle internationalen Bahnverbindungen nach Westeuropa am 1. September eingestellt. Dieser Schritt hatte jedoch vielmehr einen politischen Grund, da der ungarische Premierminister Orban damit Härte in Fragen der Migration signalisieren wollte.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Migranten passieren eine Lokomotive, deren Motiv an die Ereignisse vor und um den Mauerfall 1989 erinnert. Der Zug mit dem Motiv „25 Jahre Paneuropäisches Picknick" wurde im Jahr 2014 von der Raaberbahn (GYSEV) präsentiert.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Ein Kamerateam berichtet aus dem Bahnhofsgebäude.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Migranten passieren eine Lokomotive, deren Motiv an die Ereignisse vor und um den Mauerfall 1989 erinnert. Der Zug mit dem Motiv „25 Jahre Paneuropäisches Picknick" wurde im Jahr 2014 von der Raaberbahn (GYSEV) präsentiert.
Budapest, Bahnhof Keleti, Anfang September 2015: Migranten und Polizisten in der Bahnhofshalle.
Nickelsdorf, Niederösterreich, Anfang September 2015: Rettung, Polizei und Bundesheer bereiten sich auf die Ankunft zehntausender Migranten vor. Nachdem es von Budapest kein Weiterkommen gab, machten sich tausende Migranten zu Fuß auf den Weg in den Westen. Das dabei verursachte Verkehrschaos auf den Straßen und Autobahnen Richtung Westen veranlasste den ungarischen Premierminister Orban, alle Migranten per Bus an die österreichische Grenze bei Nickelsdorf transportieren zu lassen, wo ab 5. September täglich tausende Migranten ankamen.
Grenzübergang Nickelsdorf, Niederösterreich, Anfang September 2015: Ladestationen für Mobiltelefone
Ungarn, Grenze zu Österreich in der Nähe von Nickelsdorf, Anfang September 2015: Nachdem sie mit Bussen von Budapest bis in Grenznähe gebracht worden sind, gehen Migranten die letzten Kilometer über die Autobahn nach Österreich.
Ungarn, Grenze zu Österreich in der Nähe von Nickelsdorf, Anfang September 2015: Nachdem sie mit Bussen von Budapest bis in Grenznähe gebracht worden sind, gehen Migranten die letzten Kilometer über die Autobahn nach Österreich.
Ungarn, Grenze zu Österreich in der Nähe von Nickelsdorf, Anfang September 2015: eine behelfsmäßige Versorgungsstation mit Getränken und Nahrungsmitteln.
Ostautobahn bei der ungarisch-österreichischen Grenze in der Nähe von Nickelsdorf, Anfang September 2015: Um Verkehrsunfälle mit tausenden zu Fuß auf der Autobahn gehenden Migranten zu verhindern, sperrte die österreichische Polizei bei der Grenze die Ostautobahn. In Folge dessen kam zu einem dutzende Kilometer langen Stau auf der ungarischen Seite der Grenze.
Grenzübergang Nickelsdorf, Niederösterreich, Anfang September 2015: Migranten warten auf den Weitertransport mit Bussen.
Grenzübergang Nickelsdorf, Niederösterreich, Anfang September 2015: Migranten warten auf den Weitertransport mit Bussen.
Grenzübergang Nickelsdorf, Niederösterreich, Anfang September 2015: Auch in Nickelsdorf war das Medieninteresse groß.
Grenzübergang Nickelsdorf, Niederösterreich, Anfang September 2015.
Grenzübergang Nickelsdorf, Niederösterreich, Anfang September 2015: Auch in Nickelsdorf war das Medieninteresse groß.
Grenzübergang Nickelsdorf, Niederösterreich, Anfang September 2015: Migranten warten auf den Weitertransport mit Bussen.
Grenzübergang Nickelsdorf, Niederösterreich, Anfang September 2015.
Wien Westbahnhof, Mitte September 2015: An den Schwerpunkten der Flüchtlingskrise 2015 kam es im Spätsommer/Herbst 2015 immer wieder zur Überfüllung und Überlastung der öffentlichen Verkehrsmittel.
Wien, Hauptbahnhof, Mitte September 2015.
Wien, Hauptbahnhof, Mitte September 2015.
Wien, Hauptbahnhof, Mitte September 2015.
Wien, Mariahilfer Straße, Anfang Oktober 2015: Die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 fand bei einem Teil der Bevölkerung große Unterstützung. „Welcome" bzw. „Refugees Welcome" waren häufig verwendete Schlagworte im politischen Diskurs.
Wien, Hauptbahnhof, Anfang Oktober 2015: Helfer versorgen Migranten in einer Bahnhofshalle.
Wien, Hauptbahnhof, Anfang Oktober 2015: Helfer bieten rechtliche Beratung an.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015: Mitte Oktober verlagerten sich die Migrationsströme nach der Sperre der ungarisch-kroatischen Grenze schlagartig an die slowenisch-österreichische Grenze.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015: Soldaten des Bundesheeres regeln den Weitertransport der Migranten.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015: Migranten wärmen sich am frühen Morgen an einem Feuer.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015: Migranten wärmen sich am frühen Morgen an Feuern.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015: Ein Soldat des Bundesheeres löscht ein Feuer.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015.
Slowenischer Grenzübergang nach Österreich in der Nähe von Spielfeld, Ende Oktober: Ein slowenischer Soldat überwacht den Grenzübertritt von Migranten.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015: Auf der österreichischen Seite der Grenze wurden die Migranten von Polizei und Bundesheer in einem provisorischen Lager aufgehalten, um einen geordneten Weitertransport mit Bussen zu organisieren. Da es dabei teilweise zu Verzögerungen kam, machten sich immer wieder Migranten entnervt auf, um selber die Weiterreise anzutreten.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015: Migranten gehen die Gleise der Bahnstrecke Spielfeld-Marburg entlang. Der Bahnverkehr wurde aus Sicherheitsgründen immer wieder eingestellt.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015: Migranten klettern einen Bahndamm zu einer Straße hinab.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015.
Grenzübergang Spielfeld, Steiermark, Ende Oktober 2015: Auch Taxis wurden für die Reise verwendet. Unter den Taxifahrern gab es viele Landsleute aus den Herkunftsländern der Migranten.
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